Mehr Kontrolle im Negativprozess
Ich entwickle in letzter Zeit wieder vermehrt analog und verarbeite meine Schwarzweißfilme selbst. Die Handgriffe sind mittlerweile eingespielt, doch die Temperaturkontrolle ist nach wie vor mühsam. Der Wasserhahn zu Hause kennt im Grunde nur zwei Zustände: heiß oder kalt. Also gieße ich jedes Mal umständlich heißes Wasser zu und kaltes ab, bis ich ungefähr die benötigten 20 °C für den Ansatz der Entwicklerlösung erreicht habe. Weicht die Temperatur davon ab, stimmen die Entwicklungszeiten nicht mehr – die Ergebnisse werden flau, zu dunkel oder zu hell.
Dieses Spiel setzt sich beim Wässern fort. Ich möchte die Entwicklerdose mit Leitungswasser durchspülen, aber bei falscher Temperatur kann sich das – so habe ich gelesen – ungünstig auf Korn und Emulsion auswirken. Entscheidend ist dabei weniger der exakte Wert als das Vermeiden größerer Temperatursprünge.
Also habe ich überlegt, mir ein Temperatur-Heizsystem anzuschaffen: ein Gerät, das Wasser zuverlässig auf eine definierte Temperatur bringt und dort hält. Meine Wahl fiel auf das Cinestill °Cs TCS-1000 „Temperature Control System“ für die Filmentwicklung.
Was ist das Cinestill Temperature Control System?
Der Cinestill TCS-1000 funktioniert ähnlich wie ein Sous-Vide-Badeinsatz. Man hängt ihn in ein Wasserbad, stellt die gewünschte Temperatur ein, und das Gerät erwärmt und stabilisiert das Wasser während des gesamten Entwicklungsprozesses. Ein integrierter Umwälzmechanismus sorgt dafür, dass sich eine homogene Temperatur im gesamten Wasserbad einstellt.
Das System ist ready-to-use: Es benötigt keine zusätzliche Hard- oder Software. Die Temperatur lässt sich direkt am Gerät einstellen. Außerdem sind ein Timer und ein Temperatursensor integriert. Cinestill gibt das Gerät für Schwarzweiß-, C-41- und E-6-Entwicklung frei.
Bedienung
Die Bedienung ist simpel:
- Gerät einschalten
- Temperatur über das Einstellrad wählen
- warten, bis das Wasser die Solltemperatur erreicht
Praktisch ist, dass der Cinestill das Wasser nicht nur erwärmt, sondern auch ständig durchmischt, sodass keine Temperaturzonen entstehen. Etwas nervig ist allerdings, dass das Gerät beim Einschalten immer auf 38,5 °C voreingestellt ist – die Standardtemperatur für Farbentwicklung. Für Schwarzweiß muss ich die Temperatur jedes Mal erst herunterregeln, bevor ich meine 20 °C erreiche.
Die richtige Wassermenge
Zunächst dachte ich, ein 2-Liter-Messbecher würde ausreichen. Die Anleitung empfiehlt jedoch mindestens 3 Liter Wasser, da sonst die Restwärme des Heizelements das Wasser über die eingestellte Temperatur hinaus weiter erwärmt. So werden aus 20 °C schnell 21 °C oder mehr.
Ich gehe inzwischen so vor: Ich nutze einen 5-Liter-Eimer, fülle ihn mit kaltem Wasser und klemme den Cinestill an den Rand. Der Wasserstand darf die Max-Markierung am Gerät nicht überschreiten. In meinem Eimer bedeutet das: etwa halb füllen und dann schrittweise Wasser nachgießen, bis ich knapp unter der Max-Linie liege.
Sobald die Zieltemperatur erreicht ist, nehme ich den Cinestill heraus und lege ihn beiseite. Mit einem separaten Thermometer kontrolliere ich die Temperatur im Eimer weiter und entnehme daraus das Wasser für Entwicklung und Wässerung.
Wässern
Früher habe ich den Film unter fließendem Wasser gewässert und mir dafür sogar einen Schlauchadapter für die (Paterson-)Dose besorgt. In der Praxis war das wenig überzeugend: Der Schlauch rutschte leicht ab, und die tatsächliche Wassertemperatur ließ sich kaum kontrollieren.
Ich bin inzwischen zur Ilford-Methode übergegangen. Dabei wässert man nicht unter fließendem Wasser, sondern füllt die Dose mehrfach mit frischem Wasser:
- Wässerung: 5× kippen
- Wässerung: 10× kippen
- Wässerung: 20× kippen
Mit jeder Stufe sinkt die Konzentration der verbliebenen Chemikalien deutlich. Die Methode ist wassersparender, funktioniert zuverlässig – und ich kann exakt temperiertes Wasser aus dem Eimer verwenden.
Fazit
Der Cinestill bringt spürbar mehr Komfort in meinen Entwicklungsprozess und eliminiert eine zentrale Fehlerquelle: die unkontrollierte Temperatur beim Entwickeln und Wässern. Mit rund 130 € ist das Gerät kein Schnäppchen, für mich hat sich die Investition aber gelohnt.
Zwar verfügt der Cinestill über integrierte Timer, die an den Chemiewechsel erinnern sollen, doch darauf verzichte ich. Ich arbeite weiterhin mit einer separaten Stoppuhr.
Alternativen
Ich habe mich auch nach Alternativen umgesehen – es gibt durchaus praktikable Wege, die Temperatur im Fotolabor zu kontrollieren.
🐠 Aquarien-Heizsysteme
Aquarien-Heizstäbe sind günstig (meist 20–40 €) und dafür gedacht, Wasser auf einer konstanten Temperatur zu halten. Einige Analogfotograf:innen kombinieren sie mit kleinen Pumpen für ein temperiertes Wasserbad.
Nachteile:
- Die Regelung ist oft träge und ungenau
- Viele Modelle lassen sich nur bis etwa 30–34 °C sinnvoll betreiben
🍲 Sous-Vide-Geräte (Immersion Circulator)
Viele Analogfotograf:innen nutzen Sous-Vide-Geräte als preiswerte und präzise Temperaturregler. Sie können Wasser schnell und sehr exakt auf eine Zieltemperatur bringen und dort halten.
Im Vergleich zum Cinestill muss man jedoch selbst für ein geeignetes Wasserbad sorgen, die Temperatur zusätzlich kontrollieren und den Workflow entsprechend organisieren.


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