Der vergessene Friedhof an der B5
Einem Artikel im Tagesspiegel folgend sind wir heute zu einem kleinen Wäldchen an der Stadtgrenze Berlins geradelt; dort, wo die Heerstraße in die B5 übergeht und die Luft beständig vom Lärm der Motoren dröhnt. Die einen wollen schnell raus aus der Stadt, die anderen hinein. Wir wollen genau hierhin.
Ein Charlottenburger Friedhof in Spandau
Im Jahr 1907 war kein Platz mehr auf dem Friedhof der Herz-Jesu-Gemeinde in Charlottenburg, sodass der damalige Pfarrer dieses Grundstück als neues Friedhofsgelände erwarb und die Toten hier bestattete.
Auch der Platz hier reichte irgendwann nicht mehr, das Gelände wuchs auf 20.000 qm an. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier zudem 170 Kriegsgefangene beerdigt.
Nach dem Kriegsende gehörte das Gebiet zur DDR, und 1983 wurde der Friedhof aufgelöst, Angehörige konnten Umbettungen veranlassen.
Der Friedhof heute
Es ist regnerisch, wie der ganze Sommer, das trübe Wetter und die vom Wasser glänzenden Efeu- und Springkrautpflanzen, die hier den Boden bedecken passend zur Stimmung, die uns empfängt.
Wir treten beim Denkmal für die Opfer des Weltkrieges in das Wäldchen; große steinerne Tafeln verlesen die Namen der Kriegsopfer der verschiedenen Nationen.
Eine Tafel am Fuße des Kreuzes trägt die Botschaft von Theodor Heuss, die heute wieder mehr denn jeh seine Gültigkeit zeigt:
“Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass der Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern”


Es gibt ein paar Pfade, die durch den Wald führen, und auch die Bäume stehen in Reihen, doch abgesehen von diesen Leitlinien herrscht hier ein Urwald aus Büschen, Bäumen, Brennnesseln und Efeu, und Grabsteinen, die, von ihren Sockeln gekippt, umherliegen.


Wer sich abseits der Pfade begibt, muss aufpassen, wohin er tritt; man kann die Grabplatten oder auch die Löcher im Boden unter dem bodendeckenden Blätterwerk kaum erkennen.
“Bitte nicht zerstören” steht auf der Rückseite eines Kreuzes, die sich dem Schicksal ihrer Artgenossen zu entrinnen versucht.

Wir stromern durch das Gelände in Richtung B5, und kommen zu einer großen Grube mit gemauerten Seitenwänden. Was hier wohl einmal stand? Eine Kapelle, eine Gruft?


Ein paar Meter weiter dann ein großer Grabstein der Familie Bobolz; einem Flickr-Link zufolge waren die Familienmitglieder Kaufleute und Unternehmer (“Nähmaschinen und Fahrräder Bobolz & Bieler”).

In der Nähe steht ein hölzernes Kreuz, dann endet das Gelände ohne weitere Begrenzung an der B5. Dem Tagesspiegel zufolge wurden die alten Zäune genutzt, um die Grenzanlagen der DDR zu sichern.

Wir klettern noch weiter durch die Büsche, ein schwarzer dicker Falter fliegt mir ins Gesicht. Spinnweben vor der Nase, nasse Blätter, die in den Nacken klatschen. Dann radeln wir wieder zurück, die 5 Minuten nach Hause. Und wundern uns, dass wir vorher noch nie diesen merkwürdigen, gruseligen, nachdenklichen Ort entdeckt hatten.









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