Wanderung in den Ruhner Bergen
Wir wollten zwar unseren Sommerurlaub in der Prignitz verbringen, doch da unser AirBnB-Gastgeber uns unseren gebuchten Aufenthalt zusammenstrich (“Tut mir Leid, Doppelbuchung!”), mussten wir ausweichen und sind in Poitendorf bei den Ruhner Bergen gelandet. In Mecklenburg-Vorpommern, aber immerhin ganz nah dran an der Prignitz.
Nach einem etwas enttäuschenden Ausflug zu den Teichen in der Lewitz wollen wir heute in die Ruhner Berge.
Es ist ein sehr kalter Morgen, das Thermometer zeigt nur wenige Grad über Null. Die Hände sind rot gefroren, und wir laufen einen Schritt schneller als sonst, um warm zu werden.
Es war einmal ein Dorf namens Ruhn
Die Gegend ist sehr schön; es ist eine eiszeitliche Moränenlandschaft und mit 176 Metern die zweithöchste Erhebung in Mecklenburg-Vorpommern nach den Helpter Bergen. Ursprünglich lag hier einmal das Dorf Ruhn, doch das ist komplett verschwunden. Der Bau der nahe gelegenen Autobahn A24 ist schuld, sie zerschnitt die Gemeinde und drängte die Bewohner in das Abseits. Als dann die letzten Einwohner wegzogen, wurden die Gebäude platt gemacht. Heute steht an Stelle des Dorfes ein Info-Pavillon, der über die lange Geschichte und das brüske Ende aufklärt.


Pferdekoppeln bei Neu-Drefahl
Wir gehen zunächst auf einer glatt gepflasterten Straße bis wir in das Dorf Neu-Drefdahl kommen. Hier scheint sich alles um das Pferd zu drehen. Wir finden den Weg zwischen den Koppeln hindurch, ein junges Fohlen springt neugierig umher, bis Milli nervös bellt und es den Schutz bei der Mutter sucht.

Unter Buchen und Eichen, Kiefern und Fichten
Es ist immer noch fürchterlich kalt, aber die Sonne kommt hervor und lässt das frische Frühlingsgrün der Laubbäume leuchten. Vogelstimmen erklingen, und es geht im Auf und Ab durch den Wald. Buchen und Eichen wechseln sich mit Kiefern und Fichten ab. Natürlich gewachsene, alte Bäume, zu deren Füßen sich Blaubeersträucher breit machen.
Einfach herrlich, durch einen natürlichen Wald zu gehen, und nicht die Monokulturen der bewirtschafteten Kiefernforsten ertragen zu müssen.


Aussichtsturm Ruhner Berge
Der Weg führt uns zum Aussichtsturm, schlank und hoch ragt er sich auf. Wir steigen nacheinander empor, Milli lassen wir unten. 10 Mal wendelt sich die Eisentreppe im Inneren, auf jeder Etage kann man die zunehmende Höhe durch ein Fenster mit verfolgen.
“Nur für schwindelfreie”, steht unten als Warnung auf einem Schild - und wir verstehen warum: es gibt keine geschlossene Brüstung, nur eine Metallreling trennt uns vor der Tiefe. Ganz automatisch bleibt man eher in der Mitte, erst nach und nach wagt man den Gang an den Rand.
Der Turm ragt weit über die Wipfel, und so kann der Blick in alle Richtungen wandern. “Vier-Länder-Blick”, steht unten, doch mangels markanter Orientierungpunlte der Landschaft fällt es mir schwer, den Blick zu fixieren. Ein ewiges grünes Meer.



Mooster Quelle
Unser Auto steht zwar nicht weit von hier, doch unsere Wanderroute will noch einen Schlenker machen, und wir folgen.
Es werden nun tatsächlich fast 15 Grad, und wir können die dicken Jacken öffnen. Bei einer Pause auf einer Lichtung wähnen wir uns im Harz. Die Vegetation, die Wanderwege, die Ruhe. Klar, es ist nicht so wie in Ilsenburg, aber nahe dran.
Schließlich kommen wir zur Quelle des Marnitzer/Mooster Bachs; an einem großen Findling ist eine Inschrift, die uns erklärt, dass der Stein mit dem Gletschereis aus Schweden/Uppsala hergereist ist. Weitere solcher Steine sollen hier noch liegen, doch wir biegen ab.


An den Feldern
Zurück zum Auto gehen wir am Waldrand. Links von uns begleitet uns eine liebliche Landschaft; Wiesen auf sanften Hügeln. Einfach perfekt, dieser Abschluss der Wanderung.
Kein Muggerkuhl
Als Belohnung wollen wir nun noch ins Cafe nach Muggerkuhl fahren, doch das hat leider zu. Und nach dem Landgasthof bei Drefahl ist uns heute, bei Himmelfahrt, nicht zu Mute. Macht nichts - fahren wir zurück nach Poitendorf; Kaffee und Kekse, und eine Picknickdecke im Garten tun uns auch gut.



Tipps für die Ruhner Berge
In den Ruhner Bergen haben wir Wanderweg-Kennzeichnungen vermisst; unsere Route hab ich mich auf gut Glück zusammen gepusselt. Erst nach der Tour habe ich dann per Zufall auf der Webseite der Gemeinde Hintergründe zu den Ruhner Bergen und Wanderrouten sowie Tipps für Radtouren gefunden: https://www.gemeinde-ruhner-berge.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=155974
Schade - die Infos hätte ich vorher gebrauchen können. Verpasst haben wir bei unserer Wanderung die 400 Jahre alte Kroneneiche und die Spur der Feldsteine.
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