Freyenstein, Wittstock und Heiligengrabe
Gute 10 Tage sind wir schon in der Prignitz, und fast jeden Morgen ziehen wir Wanderschuhe an. Heute wollen wir dagegen Kultur und Geschichte der Prignitz kennen lernen - es geht nach Freyenstein, Wittstock und zum Zisterzienserkloster Heiligengrabe. Alle drei Orte liegen nah beieinander und auch in der Nähe unserer Unterkunft, der Kuckucksmühle.
Auf dem Weg nach Freyenstein fahren wir durch eine liebliche Landschaft; sanfte Hügel, Laubwälder, hübsche Dörfer. In Rohlsdorf halten wir kurz an, ich mache ein Foto von der Kirche mit den verlassenen Torpfeilern. Hinter mir quietscht eine Tür, und sogleich kommt eine ältere neugierige Frau heraus. Ein kurzes Gespräch entwickelt sich, sie gibt mir Tipps zu Freyenstein, und wir fahren weiter.

Freyenstein
Die erste Station ist die Stadt Freyenstein. Eigentlich ist es heute keine eigene Stadt, sondern gehört zum Gebiet der Stadt Wittstock, doch das spürt man nicht und spielt auch keine Rolle, denn für 700 Jahre hatte Freyenstein Stadtrechte.
Wir parken am Marktplatz; hier geht alles bescheidener zu. Geschäfte gibt es leider keine mehr, und auch das Rathaus residiert einfach.

Am Ende des Marktplatzes liegt die große Kirche, unser Ziel aber ist Burg und Schloss nebenan. In einem kleinen Park liegen das wuchtige Neue Schloss und der Restflügel des alten Schlosses eng nebeneinander. Besonders das alte Schloss, ein Renaissance-Bau, ragt wie der letzte Zahn empor; auf der einen Seite weiß und schmucklos, auf der anderen, ehemaligen Außenseite reichhaltig mit Terrakotta-Verzierungen geschmückt, die in den Werkstätten der Keramikerin Hedwig Bollhagen restauriert wurden. Zu den beiden Schlössern gesellen sich noch die Reste der Burgmauern und ein Teich.
Außer uns beiden sind nur zwei weitere Besucher im Park. So ein wunderbares Kleinod, und scheinbar niemand interessiert sich dafür.



Freyenstein bietet neben der Schlossanlage noch einen archäologischen Park, in dem die Ausgrabungen der ursprünglichen, wüst gegangenen Stadt des 13.ten Jahrhunderts gezeigt werden. Wir entscheiden uns, lieber einen Spaziergang durch Freyenstein zu machen und schlendern an der Stadtmauer entlang. Die Mauer ist mehr ein Mäuerchen, die Steine haben wohl den Weg in die Wände neuer und alter Häuser gefunden.
Die Sonne kommt hervor und lässt ein weißes kleines Häuschen strahlen. Wir erinnern uns an Touren durch Süditalien und Sizilien vor 30 Jahren, als wir durch alte Gassen zogen und begeistert über so viel Charme und Geschichte staunten. Und es scheinbar (noch) niemanden außer uns interessierte. Und genau so fühlen wir uns jetzt. Gerade mal eine Stunde Autofahrt von zu Hause entfernt.

Wittstock
Ein paar Minuten von Freyenstein entfernt liegt Wittstock, unsere nächste Station. Als erstes machen wir Pause im Cafe “Tortenschwester”, die in einer alten Feuerwache außerhalb der Stadtmauer, direkt am Parkplatz residiert.
Danach spazieren wir los. Durch Wittstock bin ich vor zwei jahren geradelt, ich freue mich, jetzt mit Moni hier zu sein. Wir lassen uns durch die Stadt treiben; es geht zunächst an der Stadtmauer entlang. Alles leuchtet backsteinrot und kann seinen Charme kaum zügeln.



Wir spazieren über den Marktplatz und kommen zur Marienkirche. Bei meiner Radreise hatte ich sie bereits kurz besichtigt und war von den nackten Darstellungen Adam und Evas inklusive wallendem Schamhaar überrascht (Fotos im Bericht der Radreise)
Die Kirche ist innen schlicht, ich entscheide mich für die Turmbesteigung. Eng wendelt sich die steinerne Spindeltreppe für 63 Stufen, dann geht es auf weiteren 134 kurzen Holzstufen durchs Gebälk. Oben gibt es freie Sicht nach allen Seiten, doch der Charme der Gassen ist von hier aus nicht zu spüren.



Als ich endlich wieder draußen bin, geht Moni hinein und ich bleibe mit Milli draußen. “Hunde können sie aber mit reinnehmen”, sagt die Frau vom Infobereich der Kirche, als sie den Kopf durch die Tür steckt. Na dann wollen wir noch mal rein, ein Foto von Milli vor dem Altar lasse ich mir nicht entgehen.

Wir schlendern noch zum Bischofsturm, und von dort zurück zum Auto. Auf gehts, zur dritten und letzten Station.
Zisterzienserkloster Heiligengrabe
Nach gerade mal 7 Minuten Autofahrt sind wir in Heiligengrabe. Der Ort selber empfängt einen mit großen Industrieschloten; das Kloster liegt am anderen Ende. Zunächst geht es zum Cafe Klosterhof; neulich waren wir schon umsonst hier (geöffnet erst ab Mittwoch). Wir sitzen draußen, eine franzöische Bulldogge ist dort angeleint und kläfft mit großer Ausdauer ihre Aufregung hinaus.
Die Klosteranlage des Damenstifts ist großartig. Viele Infostelen und eine Ausstellung klären über die Lebenswege und Schicksale der Frauen auf, die hier in dieser Gemeinschaft lebten.







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