Seminarwoche Schmuggerow
Seit mittlerweile 6 Jahren fahren wir mit unserer Firma für eine Woche raus aufs Land - für eine Seminarwoche. Fünf mal waren wir im Schloss Lübbenow; diesmal wollen wir etwas anderes ausprobieren und sind nach Schmuggerow gefahren.
Eine Woche (je nachdem, wieviel Zeit der Einzelne von der Familie getrennt aufbringen kann) verbringen wir gemeinsam. Gearbeitet und diskutiert wird an Themen, die von jedem vorgeschlagen werden können - vorausgesetzt, es finden sich genügend Interessierte.
Ein Herrenhaus oder Schloss ist da natürlich eine großartige Location, denn es ist genügend Platz für alle da, und man kann getrennte Arbeitsgruppen bilden, ohne sich in die Quere zu kommen. Und außerdem ist es wunderbar, in den Zeiten von Homeoffice sich mal wieder richtig zu sehen.
Wenn nicht gearbeitet wird, macht man andere schöne Dinge wie spazieren gehen, kochen, grillen oder Ausflüge. Dieser Beitrag handelt von diesen anderen Dingen.
Schloss Schmuggerow
Das Schloss Schmuggerow liegt im gleichnamigen Ort in der Gemeinde Ducherow etwa 15 km vor Anklam. Etwas Sorge hatte ich meinen Hund Milli mitzunehmen - ist das Schlossgelände eingezäunt oder nicht? Ja, ist es, aber nicht vollständig. Man kann dann in Eigenregie mit Drahtrollen den hinteren Bereich abzäunen, aber da ich nicht denke, dass ich das so dicht hinbekomme, dass wirklich keine Milli durchschlüpfen kann, und da mir Milli hier in der ungewohnten Umgebung eh auf Schritt und Tritt folgt, hab ich es gelassen.
Zur Ausstattung des Schlosses:
Die Wohnfläche des Schlosses ist komplett in eigenständige Ferienwohnungen (jeweils mit Schlafzimmer und Wohnbereich mit kleiner Küchenzeile) ausgestattet, wobei das Konzept überholt ist - im Keller befindet sich eine Gemeinschaftsküche, die Küchen in den Appartments sind nicht mit Utensilien ausgestattet. Die Küchenausstattung ist leider etwas spärlich; keine Kaffeebecher sondern nur kleine Tassen; schlechte Messer, keine Müslischalen u.s.w.
Das könnte alles besser sein, hindert uns aber nicht daran, leckere Sachen zu kochen und satt zu werden.
Schade dagegen ist, dass die Küche im Keller ist - da wir nicht das Essen durch das ganze Schloss tragen wollen, essen wir auch im (kühlen) Keller in einem mit einer Rüstung zum Rittersaal aufgewerteten Raum.
Auch schade ist, dass es im Erdgeschoss keinen großen Saal, sondern nur mit Mobiliar vollgestellte Räume gibt. Wir vermissen die großzügige Raumaufteilung von Lübbenow.
Das Dorf Schmuggerow
Im Zentrum von Schmuggerow steht eine hübsche Kirche, eingefasst von einem Feldsteinmäuerchen. Wenn es einen Dorfkern gäbe, dann wäre er hier. Und hier war er wohl auch; auf der breiten Anger befindet sich hinter der Kirche der Löschteich, die ehemalige Schule und am Ende des Angers das Gebäude, das früher einmal der Konsum war.
Zwei Betriebe (Milchvieh und eine Biogasanlage) sind ansässig; den ersten riecht man, den zweiten hört man - aber nur wenn man näher dran ist. Außer ein paar bellenden Hunden hinter Zäunen habe ich auf der Straße nur einen alten Landwirt getroffen, mit dem ich ins Gespräch kam.
Das Dorf liegt in der Sackgasse einer Straße, und man hat den Eindruck, dass hier nicht nur die Welt zu Ende, sondern auch die Zeit stehen geblieben ist.
Die Umgebung
Es ist still hier; Hähne krähen, Kraniche trompeten, nur ab und an fährt ein Auto. Vom Schloss aus kann man in drei Richtungen spazieren gehen: nach Schmuggerow Ausbau, durch den Wald Richtung Charlottenhof und auf einem Plattenweg über die Felder und Wiesen nach Löwitz.
Der Waldweg ist urig und einsam; besagter Landwirt sagte mir, dass hier ein Wolfsrudel ansässig sei und den Reh- und Dammwildbestand beständig dezimiere. Nun glaub ich auch zu verstehen, dass der nette Verwalter vom Schloss diese beiden mächtigen Hunde hat, “die es mit Bären und Wölfen aufnehmen”.
Nun gut, einen Wolf hab ich nicht gesehen, aber dafür jede Menge Rehe.

Spaziergang nach Löwitz
Der Spaziergang nach Löwitz ist schön; man geht entlang eines großen Maisfeldes und endloser Grünlandwiesen etwa 3 Kilometer auf dem Plattenweg. Das Land ist hier wie das Havelland von Entwässerungsgräben durchzogen. Löwitz besaß auch einmal ein Schloss, von dem aber nur ein Schlosspark übrig ist, der fleissig vor sich hinwuchert und die Laternen in ihm wie Fremdkörper erscheinen lässt.
Die Kirche in Löwitz ist von einer hohen Mauer umgeben; auf dem Gelände befindet sich die einem monumentalem Denkmal gleichende Grabstätte der Familie Schwerin-Löwitz. Eine große Heilandsstatue wacht über sie und wird von einem Buntglasfenster angeleuchtet.
Ausflug nach Bugewitz
Am Donnerstag nachmittag hab ich dann Zeit für einen kleinen Ausflug und fahre nach Bugewitz. Bugewitz ist nur 15-20 Minuten mit dem Auto entfernt und liegt zwischen Anklam und Ückermünde am Naturpark Flusslandschaft Peenetal. Durch Bugewitz führt auch der Radweg nach Usedom, und im Gegensatz zu Schmuggerow und Löwitz ist Bugewitz herausgeputzt und bietet neben Ferienunterkünften auch eine Gaststätte und ein Cafe.
Mein Spaziergang geht entlang der Straße Richtung Norden. Bei heftigem Seitenwind und kleinen Regenschauern war das Vorankommen mühselig, aber lohnenswert. Stets hat man einen Blick auf die Wasserflächen mit einer Vielzahl von rastenden Vögeln. Ein Fernglas hätte ich einpacken sollen!
Mächtig Geschrei gibt es dann zum Abschluss noch von den unerschrockenen Gänsen in Bugewitz. Als wären es kläffende Hunde, so kommen sie auf uns zugestürmt, machen einen Riesenradau und verfolgen uns entlang des Zaunes und motzen uns an, bis wie endlich das Weite suchen.
Von Wölfen und Bären
Bei der Abfahrt muss ich den Verwalter dann doch noch fragen, ob es Wölfe in der Gegend gibt. “I wo”, sagt er verschmitzt, da hätte mir wohl jemand einen Bären aufgebunden…
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