Die Ihagee Exa Kameras aus der DDR
Die Exa Kameras wurden in der DDR hergestellt. Als Westberliner hatte ich früher keinen Bezug zu den DDR Apparaten Exa und Praktika; als ich Ende der 70er mit dem Fotografieren begann, hatten die japanischen Unternehmen Pentax, Nikon und Canon längst die deutschen (west- wie ostdeutschen) Hersteller abgehängt.
Und nun - aus heiterem Himmel - liegt ein Berg von DDR Kameras und Objektiven vor mir. Zeit, sich mit den Geräten und deren Geschichte zu befassen.

Kurzer Abriss der Geschichte
1908 wurde der niederländische Textilunternehmer Johan Steenbergen von seinem Vater nach Dresden geschickt; Sachsen war zu dieser Zeit in den Bereichen Textilindustrie führend. Doch Johan ging nicht in Sachsen in die Textilindustrie wie vom Vater gewünscht, sondern arbeitete stattdessen bei dem Fotogerätehersteller Ernemann.
Heute kennt man den Namen Ernemann nur aus Sammlerkreisen, doch seinerzeit war Ernemann ein bedeutendes Unternehmen. Die von Ernemann 1924 entwickelte Kamera Ermanox mit seiner seinerzeit sensationellen Lichtstärke von 1:2, ermöglichte erstmals die Fotografie in Innenräumen ohne künstliche Lichtquellen. Der später von den Nazis ermordete Berliner Fotograf Erich Salomon nutze diese Kamera und schuf damit das Genre Bildjournalismus.
Mit dem bei Ernemann erworbenen Wissen gründete Johan Steenbergen selber ein Foto-Unternehmen - die Industrie und Handelsgesellschaft, kurz: Ihagee. Der von Johan eingestellte begabte Konstrukteur Karl Nüchterlein schließlich entwickelte 1936 die legendäre Kine Exakta - die erste einäugige Spiegelreflexkamera für das Kleinbildformat. Dieses später als SLR - Single Lens Reflex - abgekürzte Konzept hat sich anschließend zu dem führenden System entwickelt, und wird erst jetzt - 85 Jahre später - durch die spiegellosen Digitalkameras abgelöst.
Zurück zu den Anfängen: Zwischen den Weltkriegen war die deutsche Kameraindustrie führend auf dem Weltmarkt, und Sachsen/Dresden war ein Zentrum des Apparatebaus. Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges wurden viele der Unternehmen zu Rüstungsbetrieben. Nach Ende des Krieges hatte das sowjetischer Besatzung unterstellte Ostdeutschland im besonderen Maße die Konsequenzen der Verbrechen des Naziregimes zu tragen. Anlagen und Maschinen der Betriebe wurden demontiert und nach Russland verbracht, zudem waren Reparationsleistungen zu erbringen.
Unter diesen erschwerten Bedingungen nahmen auch die Betriebe der Fotoindustrie die Arbeit auf und erarbeiteten sich schnell wieder eine Spitzenposition auf dem Weltmarkt.
Das Unternehmen Ihagee wurde zum VEB Ihagee und produzierte die Exakta Kameras, die weltweit begehrt waren - auch in Hitchcocks Fenster zum Hof ist sie das Werkzeug von James Stewart, der damit seinen Nachbarn beobachtet.
Da die Produktionschargen fast ausschließlich in den Export gingen, wurde für die Bürger der DDR eine einfachere Version entwickelt - die Exa.
Das Design
Die Gehäuseform ist aus heutiger Sicht ungewöhnlich; der raumgreifende Spiegelkasten in der Mitte läuft rundlich an den Enden aus. Das Design wurde über den gesamten Produktionszeitraum - immerhin fast 4 Jahrzehnte - beibehalten. Besonders schön sind die ersten Modelle, bei denen über dem Kamerakasten noch ein Emblem thront; ein Erbe der höherwertigen Exakta Kamera. Ich vermute, dass das mit Stolz getragene Emblem die simple Einfassung der Sucheraufsätze kaschieren sollte.


Das Design der Kleinbild-Spiegelreflexkameras, welches sich parallel entwickelte (in der DDR bei der Praktica Kameras) war dagegen kantig wie ein Ziegelstein. Tatsächlich traute sich ausgerechnet Leica aus dem Einerlei der kantigen SLRs auszubrechen und präsentierte im Jahr 1996 mit der R8 ebenfalls ein abgerundetes Design, welches mich doch stark an die Exas erinnert.



Gemeinsame Merkmale der Exa Kameras (Exa 0 und Serie I)
Die Merkmale der Exa sind:
- Kleinbildformat
- Wechselsucher; zur Auswahl standen Faltlichtschachtsucher und Prismensucher. Die Serie Exa II dagegen hatte einen fest verbauten Prismensucher.
- Auslöser auf der linken Seite am Objektiv
- Rückschwingspiegel erst ab Serie II
- In den ersten Modell ein einfacher Klappenverschluss, der nur Zeiten bis zu 1/175 ermöglichte. Später wurde mit der Serie II ein Tuchschlitzverschluss eingebaut, der Zeiten bis zu 1/500 bot.



Die Kameras sind ausgesprochen simpel und solide aufgebaut und besitzen keine Elektronik. Mit anderen Worten - sie funktionieren auch noch heute.
Zur zeitlichen Einordnung: produziert wurden die EXAs bis Mitte der 80er Jahre. Die westdeutsche Kameraindustrie (Voigtländer, Rollei) lag da schon längst in Trümmern, denn deren Spiegelreflexkameras waren der Konkurrenz auf den freien Märkten, speziell aus Japan hoffnungslos unterlegen. Mikroprozessor-Steuerung, Blendenautomatik, Motorantriebe und die ersten Autofokusobjektive kamen aus Fernost auf den Markt.
Doch eine Exa mit einer Nikon zu vergleichen ist nicht fair; sie war als Einsteigerkamera gedacht und entstand unter den begrenzten Möglichkeiten der DDR – erschwert durch Planwirtschaft, Kalten Krieg und westliche Embargos.

Übersicht über die Exa Modelle
Die eingeführten Neuerungen sind - verglichen mit den Innovationen anderer Hersteller - bescheiden: Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, M42 Bajonett. Bei der Exa II wurde dann immerhin ein Rückschwingspiegel und eine Rückspulkurbel integriert.
| Bezeichnung | Bauzeit | Stückzahl | Neuerungen |
|---|---|---|---|
| Exa 0 | 1951 - 1962 | 265.000 | - |
| Exa 1 | 1962 - 1964 | 53.900 | kürzeste Verschlusszeit 1/175 |
| Exa 1a (VX100) | 1964- 1977 | 359.000 | Schnellspannhebel |
| Exa 1b | 1977 - 1985 | 286.100 | M42 |
| Exa 1c | 1985 - 1987 | 103.900 | Schwarzes Gehäuse |
| Exa II | 1959 - 1963 | 88.700 | Tuchschlitzverschluss, fester Prismensucher, Schnellspannhebel |
| Exa IIa | 1963 - 1964 | 46.500 | Rückspulkurbel |
| Exa IIb | 1964 - 1966 | 69.700 | Rückschwingspiegel |
| Exa 500 | 1966 - 1969 | 103.000 | Kürzeste Verschlusszeit 1/500 |
Produziert wurden die Kameras fast ausschließlich in Dresden. In den 50er Jahren wurde die Produktion auch zeitweilig vom Unternehmen Rheinmetall in Sömmerda durchgeführt.
Verfügbarkeit
Die Exa Kameras kann man selbst 2022 bei anhaltendem Analogboom sehr günstig erwerben; mehr als 20 bis 30 Euro wird selten verlangt. Es gibt allerdings speziell bei den ersten Modellen einige Produktionsvarianten, die bei Sammlern beliebt sind.
Teurer als die Exas sind die höherwertigen Exakta Modelle.
Objektive
Zu beachten ist, dass in der Modellreihe der Objektivanschluss gewechselt wurde vom Exakta Bajonett (Exa 0, Exa 1 und Exa 1a) zum M42 Schraubanschluss (Exa 1b und darüber).
Aus DDR Produktion die höherwertigen Linsen von Carl Zeiss (Jena) und die Mittelklasse Optiken von Meyer-Optik. Einige Objektive weisen das hübsche Zebramuster auf.
Da die Exakta Kameras (die Vorläufer der Exa) aber ausgeprochen beliebt waren, sind auch Linsen von vielen anderen Herstellern zu finden. Laut photobutmore (siehe Quellen) finden sich unter den Herstellern westdeutsche Optikhersteller (Schacht, Enna, Rodenstock), aber auch die aufstrebende Konkurrenz aus Fernost: Nikon, Canon, Mamiya.
Unterlagen
Zu den Kameras hab ich auch ein paar Unterlagen bekommen; das macht die Zeitreise komplett:




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