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Neujahr in Wittow

31.12.2021 · Mecklenburg-Vorpommern · Rügen

Unsere Unterkunft ist wie vor zwei Jahren die Bernsteinsiedlung bei Nonnevitz auf der Halbinsel Wittow: Einfache, aber saubere Bungalows in einem Waldstreifen direkt an der Steilküste.

Der Koloss von Prora

Auf der Hinfahrt möchte Moni noch in Prora vorbei, dem von den Nazis gebautem, riesigen KdF-Seebad direkt am Meer. 4,5 Kilometer lang war die Anlage, im Krieg wurden große Teile zerstört - 2,5 Kilomeneter blieben übrig und wurden in der DDR als Kaserne genutzt. Wir waren dort vor über 20 Jahren, als alles noch morbide vor sich hingammelte. Jetzt sind Teile der Anlage renoviert und als Wohn- und Ferienanlage nutzbar.

Wir parken auf einem gebührenpflichtigen Platz vor der Anlage; der Weg führt an einem Dokumentationszentrum vorbei zu einem Durchgang durch die Blöcke. Auf der einen Seite strahlen die Blöcke frisch renoviert, auf der anderen Seite alles noch im alten Zustand.

Zum Meer hin liegen gigantische Kaianlagen, die als Bootsanleger geplant waren. An manchen Stellen sind die Mauern zerstört, es geht steil hinab in die Ostee.

Der Strand bei Nonnevitz / Bakenberg

Wir kommen noch zeitig in unserer Unterkunft an, wir sind (noch) die einzigen Gäste. Anfang Dezember fragte uns der Vermieter sorgenvoll an, ob wir denn wenigstens kommen würden, alle anderen hätten abgesagt. Auspacken, schnell einen Kaffee und die letzte Stunde Tageslicht nutzen und zum Strand.

Später am Abend kommen auch Boris und Alexa, mit denen wir hier gemeinsam den Jahreswechsel verbringen wollen.

Rügener Märchenwald

In etwa 4 Kilometern soll ein Wäldchen mit knorrigen Bäumen liegen, welcher kurzerhand und vielversprechend Märchenwald genannt wird. Zusammen mit Alexa und Boris wollen wir heute eine kleine Wanderung dorthin machen, vorausgesetzt, es wird kein Gewaltmarsch. Ich korrigiere meine ursprüngliche Schätzung von 3½ Stunden auf 2 - 2½ Stunden, und damit sind alle einverstanden. Wir wandern am Strand mit dem Wind im Rücken, bis wir nach 3 Kilometern den Hang hinaufgehen. Dort müssen wir noch ein kurzes Stück entlang eines Campingplatzes, und als wir diesen verlassen, beginnt ein wirklich zauberhafter Wald.

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Am Ende des Märchenwalds gehen wir landeinwärts am Waldrand zurück. Es werden dann doch 3½ Stunden / 10 Kilometer, die Beine sind schlapp.

Boris und Alexa ziehen sich zurück, Moni und ich spazieren noch in Stück weiter zur Ferienanlage Fynnus. Dort gibt es an einer Bude Fischbrötchen, Bratwürste und Erbsensuppe. Wir essen die Suppe, sehr lecker, sitzen an einer Feuertonne. Glücklich, satt, müde.

Wittower Küstenweg und Kreptitzer Heide

Das Wetter verspricht den ganzen Tag Wind und Regen. Wir wollen nun westwärts die Küste entlang und entscheiden uns, den Hinweg oberhalb der Steilküste zu laufen, den Rückweg (mit dem Wind im Rücken) dann am Strand.

Es ist nicht ganz leicht aus dem Gewirr der Bungalows im Wald einen Weg parallel zur Küstenlinie zu finden; wir geben auf und gehen zurück zur Straße, die uns entlang einiger Feriensiedlungen zu dem eingezäunten Gebiet der Kreptitzer Heide führt. Ein schweres Gatter wird geöffnet und wir laufen auf Wegen voller Schafsköttel.

Kreptitzer Heide
Kreptitzer Heide

Die Kreptitzer Heide wurde über Jahrhunderte bis 1990 als Schafsweide genutzt. Seit 2005 ist das Gebiet eingezäunt, heute weiden wieder Gotlandschafe auf den Wiesen. Das eigentliche Heidegebiet ist nicht allzu groß; nach Verlassen des Geländes und Umquerung eines geschützten Wäldchens geht es dann entlang eines Zaunes oberhalb der Steilküste entlang.

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Blick entlang der Abbruchkante
Blick entlang der Abbruchkante

Leider finden wir keinen Abstieg zum Strand. Wir queren um und akzeptieren denselben Weg zurückzugehen, bis wir plötzlich einen Pfad hinunter finden. Die letzten Meter rutsche ich dann auf dem durchweichten Schlick aus und verpasse mir einen nassen braun-grauen Matschhintern.

Rückweg am Strand entlang
Rückweg am Strand entlang

Auf dem Rückweg bläst uns der Wind den Regen in den Rücken. Die Gesichter der entgegenkommenden Wanderer sind zusammengekniffen. Der Weg führt stellenweise direkt unterhalb der Steilwand entlang, der Strand liegt voller Kieselsteine. Kitesurfer und Windsurfer trotzen der Witterung und sausen mit knatternden Segeln zum Horizont.

Throne of the Waves
Throne of the Waves

Wir sind komplett durchnässt, als wir wieder in der Unterkunft ankommen. Ich entledige mich meiner Matschklamotten, wasche den Glibber raus und hänge das Zeug zum Trocknen auf.

Abschied von der Ostsee

Silvester geht krampflos vorüber; trotz absolutem Knallerverbots in dem Küstenstreifen ballert es ordentlich. Am Neujahrstag machen wir noch einen kleinen Spaziergang am Meer. Eigentlich sollte es heute etwas schöneres Wetter geben, aber das neue Jahr fängt so an wie das letzte gegangen ist; grau, windig, nass.

Wenigstens einmal barfuß in die Ostsee, denkt der Frodo in mir. Ich ziehe die Schuhe aus und watschel am Strand, bis mir die Füße durchfrieren. Nun aber ruckzuck zurück zum Haus, ab ins Auto, heim nach Berlin.

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