Wochenend Radtour mit Zelt im Havelland: Von Wustermark über Ferchesar nach Rathenow

Die eigentlich geplante Radtour im Spreewald musste leider abgesagt werden, da die Regios ausgerechnet dieses Wochenende nicht bis Cottbus fahren. Statt dessen haben wir uns kurzerhand entschlossen, einen Teil des Havelland Radwegs zu fahren. Dieser geht eigentlich von Spandau bis Rathenow und weiter bis hinter Grütz (Lustige Namen haben die Dörfer hier: Kotzen, Wassersuppe, Hammelsprung, Grütz … ); wir wollten - den erwarteten Temperaturen von über 30 Grad geschuldet - erst in Wustermark starten und kurz vor Rathenow rechts zum Hohennauer See, um dort auf dem Campingplatz zu übernachten.

Proviant in Wustermark

Leider ist das Havelland mit Einkaufsmöglichkeiten spärlich ausgestattet. Eine Versorgung mit Lebensmitteln am Ziel ist nicht möglich, also haben wir uns direkt in Wustermark eingedeckt.

Verbindung zum Havellandradweg

Um von Wustermark zum Havellandradweg zu gelangen, sind wir Googles Tipps folgend über Markee gefahren; anfangs sehr beschwerlicher sandiger Feldweg, danach besser.

Ribbeck

Der Radweg folgt in etwa der B5 - allerdings in gebührendem Abstand. Man passiert schnell Ribbeck; dank Fontanes Gedicht vom Birnbaum im anhaltenden Birnenfieber gefangen. Wir nutzen die Gelegenheit um uns im alten Waschhaus mit (Birnen)Schorle und (Birnen)Torte zu stärken.

Pause in Kriele

Weiter auf dem Havellandradweg bei zunehmenden Temperaturen (mittags bis 35 Grad). Kleine Pause im Wald, weiter über Kriele. Noch eine kleine Pause am Wegesrand inklusive Schwatz mit einem Anwohner. Unser Tagesziel Ferchesar sei wirklich schön, aber Läden gibt’s gar nicht mehr. Entweder fährt man nach Nauen oder nach Rathenow. Semlin hat noch einen Bäcker, der zweimal wöchentlich die umliegenden Dörfer beliefert. Wir hatten unsere Pause einfach am Wegesrand gemacht; man hätte uns aber auch in der kleinen Kneipe bewirtet. Sollte man sich merken. Cafes oder gar Restaurants sind rar gesät hier im Land.

Weiter gehts

Weiter geht’s. Bei Mühlenberge eine Kuhherde mit einer Unzahl von Kälbern; der massige Bulle besprang sogleich die nächstbeste Kuh erneut. Eine weitere dem Schauspiel beiwohnende Radtouristin erzählt uns, dass sie jedes Jahr in diesem Gebiet körbeweise Mirabellen und Holunder pflückt. In Berlin kosten Mirabellen 6 Euro das Kilo, und hier vergammelt das Obst am Wegesrand.

Nach dem Ort Kotzen dann wunderbar schattig bis Stechow; dort lagen dann alle Radler denen wir auf unserem Weg begegneten erschöpft im Gras. Wir tapfer weiter.

ab nach Ferchesar

Wir weiter von Stechow nach Ferchesar (“Fercheeeesar und nicht Ferchesaaaar gesprochen”). Fercheeeesar liegt am Hohennauener See; zu DDR Zeit war hier ein von Schönebeck (Elbe) verwaltetes Ferienlager. Zum Campingplatz muss man noch einmal ums See ende herum durch den Wald auf bisweilen holprigen Wegen, dann ist es geschafft.

Camping Buntspecht

Der “etwas andere” Campingplatz erweist sich zu meiner Überraschung als recht großes und gut organisiertes Areal mit Restaurant, Bootsverleih und Minishop. Den uns zugewiesenen Platz auf der Zeltwiese konnte ich noch gegen ein etwas näher am See gelegenes Plätzchen tauschen.

Zeltaufbau bei 35 Grad; die Zeltnachbaren eilen netterweise gleich mit eiskalten Getränken herbei.

Abkühlung im See

Obgleich der Campingplatz am See liegt, muss man noch ein paar Schritte laufen; der Platz liegt auf einem kleinen Plateau ein paar Meter oberhalb des Sees. Der Zugang dann über eine kleine Badestelle, an der sich die Personen tummeln. Einsames Naturcamping am See ists nicht, aber was solls. Das Wasser ist recht trüb aber frisch. Der See ist sehr langgestreckt und schmal; an dieser Stelle kann man locker zur anderen Seeseite schwimmen.

Abendmahlzeit

Die Salatzutaten haben es tatsächlich von Wustermark bis hierher 6 Stunden bei über 30 Grad überlebt. Lecker!

Nacht, Sterne und Rückfahrt

Bis auf eine Band, die heute im Restaurant des Campingplatzes spielte und auch irgendwann aufhörte, war es sehr ruhig. Man kann in dieser Gegend gut Sterne beobachten; die “Lichtverschmutzung” durch Siedlungen ist hier sehr gering. Manche Orte leben bereits vom Sternentourismus. Wir konnten dies nicht wirklich nutzen, um 22:00 waren wir eingepennt.

Rückfahrt dann am nächsten morgen von Ferchesar über Semlin (verfügt über einen großen Golfplatz) und dann von Norden kommend nach Rathenow rein. Zurück mit dem RE4