Mit dem Kajak zur Alten Liebe und nach Klein Venedig

Der anhaltend schöne September hat uns aufs Wasser getrieben, mit unserem neuen Kajak ging es auf die Havel in Spandau.

Aller Einstieg ist schwer

Wenn man sich ein Boot mietet, tut man dies an einem Bootshaus, welches üblicherweise über einen Bootssteg verfügt. Als frischgebackener Eigentümer eines eigenen Paddelbootes muss man erst mal suchen, wo man dieses denn zu Wasser lassen kann, und wo man auch mit dem Auto hinkommt. Wir wollten in Klein-Venedig paddeln und kannten nur die kleine Badewiese in Gatow; das ist allerdings ein kleines Stück von Klein-Venedig entfernt. Egal - die Wiese dort ist prima zum Aufbauen des Bootes; der Strand ist sandig und flach.

Klein Venedig

Nach rund 45 Minuten haben wir die in diesem Bereich sehr breite Havel hinter uns gelassen, sind unter der Heerstrasse durchgepaddelt, haben den Stößensee gekreuzt und sind in “Klein Venedig” gelandet. Die Havel durchzieht hier ein größeres Gebiet mit vielen kleinen Seitenarmen, ähnlich wie die Spree im Spreewald, nur en Miniature. Die Arme sind etwa 5 Meter breit und flach; so flach, dass man bisweilen mit dem Paddel den Boden berührt. Das Wasser ist klar; man sieht den Bodenschling bevor man ihn versehentlich ins Boot schleudert. Eigentlich gibt es nur einen Hauptarm, alle anderen Abzweigungen sind Sackgassen, bis auf denjenigen, den man nach Erreichen des Südhafens für die Rückkehr nutzt.

Hier, in der Nähe des Südhafens, reichen Grundstücke bis zum Wasser; der eine Anwohner verkauft seinen Honig direkt an die Wasserpassanten, der andere schlürft seinen Morgenkaffe. Einfach lässig. Mittendrin in der Stadt, und dennoch ruhig und entspannt. Kein Verkehrslärm dringt ans Ohr bis auf die Flieger zum Flughafen Tegel.

Alte Liebe

Nach rund 1,5 Stunden Paddeln schmerzen die Arme und der Magen knurrt. Zurück aus Klein-Venedig, am Ende des Stößensees liegt die Alte Liebe, ein charmantes Restaurantschiff an einer kleinen Badestelle. Mit nassem Hintern dann einen der letzten Plätze im Restaurant ergattert und mit Deftigem und Süßem die Begierden gestillt. Diese Stelle würde sich auch gut für den Paddel-Einstieg eignen, wenn man Klein-Venedig in einer kürzeren Runde erleben will.

Morgens soll der nahegelegene Parkplatz auch noch Kapazitäten haben, wie uns eine andere Paddlerin erzählte. Ebenjene Paddlerin nannte uns noch zwei weitere Stellen die sie zum Einstieg in die Havel nutzt: die Badestelle Lieper Bucht und der Grunewaldturm; letzterer liegt gegenüber unseres Einstiegs in Gatow.

Zurück

Die letzten 45 Minuten lassen dann doch die Armmuskeln brennen; zurück in Gatow gilt es nun das Faltboot wieder zu verstauen. Wir machen es uns einfach und packen die Bootshaut klatschnass ins Auto; getrocknet wird später.

Faltboot oder “echtes” Kajak?

Die Entscheidung für ein Faltboot (wir haben das Scubi von Nortik) ist uns nicht leicht gefallen. Ein hartes Boot aus Kunststoff hat den Vorteil, dass man es nicht Auf- und Abbauen muss - dafür muss man dann ein Trägersystem am Auto montieren. Wir haben keinen Platz für so ein Kajak-Ungetüm zu Hause, von daher war die Entscheidung klar. Das Auf- und Abbauen des Bootes, das Trocknen lassen, das richtige Falten der Bootshaut, damit diese dann auch in die Tasche passt, das nervt allerdings. Zudem sind die Stangen und die Bootshaut empfindlicher als ein Kunstoffbomber. Apropos echtes Kajak: Die Kajaks waren früher mit Tierfellen bespannte Rahmen. Unser Faltboot wäre dann also ein “echtes” Kajak.

Wenn schon ein Faltkajak, dann sollte es aber eines mit einer Kiellinie sein. Unseres hat eine ist und spurstabil. Ohne eine solche schwimmt das Ding wie eine Seerose auf dem Wasser. Paddelt man links, dreht man sich sofort nach rechts und umgekehrt. Das ist dann lustig anzusehen - richtig voran kommt man damit aber nicht.