Linux Installation, kinderleicht (fast)

Neulich hatte ich mir vorgenommen, ein in unserer Firma ausgemusterten PC zusammen mit meinem Sohn mit Linux aufzusetzen.

Ich bin neugierig auf die Erfahrungen, die ich dabei sammle. Ich arbeite seit 7 Jahren mit einem Mac, und das ist auch das System dass meine Kids kennen. Linux ist mir nicht neu, ich kenne es aus der guten(?) alten Zeit, wo man noch alles selber machen musste (Monitoreisntellungen, Modem, Drucker konfigurieren - boah, war das ätzend).

Ich bin gespannt, wie sich heute ein Linux installieren lässt, und ob meine Kids damit klarkommen.

Vorbereitung

Irgendwie hab ich es auf meinem alten Mac nicht hinbekommen, eine Installations-DVD zu erstellen - tja, wenn man daran schon scheitert…. Netterweise haben mir unsere Admins mir eine Lubuntu Installations-CD in die Hand gedrückt, denn die aktuellen Ubuntu-Images brachen eine DVD (einen DVD Brenner hab ich nicht). Und die ollen Kisten, die ich installieren will, booten nicht von USB.

Mit der Lubuntu DVD meiner Admins war die Installation auf einem Dell Dimension 9150 ein Klacks. DVD rein, Zeitzone wählen, Account anlegen, fertig.

Dann Aktualisierungen nachladen (geht automatisch), währenddessen gibts ein paar Slides mit den Programmen, die schon drauf sind:

  • Pidgin für chat
  • Audacious Audioplayer
  • Gnome Mplayer
  • Abiword Textverarbeitung
  • Gnumeric Tabellenkalkulation
  • Firefox Webbrowser

Kinderleicht, das ist prima.

Browser und ein bisschen Office ist schon mitinstalliert (Abiword, Gnumerics). Naja, OpenOffice bzw LibreOffice hab ich auf dem Mac hassen gelernt; auf Linux und Windows fand ichs nicht so schlimm. Wenn also Abiword und Gnumerics schlanker als Open/Libreoffice sind, wird (zumindest für meinen Sohn) erst mal reichen.

No Sound.

Alles prima, Rechner bootet; Grafikkarte/Monitor funktionieren, aber: wo ist der Sound? Kein Sound. Ich hab mich in Folge mehrere Stunden damit beschäftigt, HowTos zu lesen, Kernelmodule zu laden, alles ohne Erfolg. Der OnBoard Chip tut einfach nicht mit den Modulen.

In mir macht sich ein längst vergessen geglaubtes Gefühl der Frustration und Machtlosigkeit breit. Ich will gar nicht wissen, wo ich welche Kernelmodule herbekomme, Interrupts auslese und konfiguriere, und wie ich diese softwareseitig mit alsa, mixer usw. verlöte, bis dann endlich Sound ins Ohr geht.

Nachfrage bei unseren Linux Usern in der Firma, wie die denn den Sound konfiguriert haben brachte die wenig erhellende Antwort: “Wieso Soundinstallation? Das geht doch auf Anhieb.” Nee, eben nicht.

Meine pragmatische Lösung sah dann so aus, dass ich mir eine Mini USB Soundkarte von Mediamarkt für ~10,- € besorgt hatte. Die alleine tat dann auch nicht. Weiter recherchiert, dann PulseAudio installiert, und siehe da: Endlich Sound.

Erstes Zwischenfazit: Die Grundinstallation kriegt auch ein Kind hin; wenn es Probleme gibt sind Kids überfordert.

Softwareinstallation

Auf den Rechner muss natürlich Minecraft rauf. Leider ist Java nicht mitinstalliert worden (nicht wirklich überraschend). Wie installiere ich denn jetzt Software auf dem Rechner?

Im grafischen Systemmenu von Ubuntu gibts gleich mehrere Tools:

  • Ubuntu Software Center. Äh - was ist das? Da kann man ja noch nicht mal drin suchen?
  • Synaptic - das sieht schon besser aus. Leider gibts bei der Auswahl von Java Konflikte. Wie löse ich die denn auf? Kein Hinweis dazu!
  • Auf den Ubuntu Hilfe-Wiki Seiten steht alturl oder aptitude.
  • aptUrl aufgerufen: Crash.
  • aptitude: nicht vorhanden auf dem System.

Gut, dann also lieber zu Fuß auf der Kommandozeile: apt-get update, apt-get install, fertig. (Nachtrag: Mittlerweile bin ich mit dem Ubuntu Softwarecenter versöhnt. Ich bin halt vom Apple App Store verwöhnt. Da kosten die Programme zwar meistens was, aber warum nicht? Ich verdiene ja auch mein Geld mit dem Schreiben von Software)

Also, Kinderleicht war das nicht. Aber immerhin Java ist jetzt drauf.

Minecraft

Am Minecraft bin ich schließlich gescheitert. Ausgerechnet daran - schließlich hab ich jahrelang Java-Anwendungen entwickelt und betrieben. Die Installation funktioniert, Minecraft startet auch, aber dann bleibt Minecraft einfach hängen. Für mich kein Problem, für meinen Filius schon. Die nächste Aktion wird sein, die Kiste mit etwas mehr RAM auszustatten. Vielleicht liegt es daran. Wenn ich das Problem gelöst bekomme, gibts an dieser Stelle ein Update im Artikel.

Das ist hängen geblieben

Dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, ein kostenloses Betriebssystem mit einem umfangreichen Softwarebundle auf irgendeiner einer alten Kiste zum Laufen zu bringen, ist natürlich super (Bei Apple kostet das OS zwar auch nichts, dafür zahlt man es bei der teuren Hardware mit).  Mit der Grundinstallation und den Anwendungen kommen Kids locker zurecht; mit dem Lösen von technischen Problemen (Sound etc) nicht. Aber das mag daran liegen, dass man das zum ersten Mal gemacht hat. Ich bin neugierig, wie das ganze dann in einem Jahr aussieht.