Erste Erfahrungen mit Jinbei msn iii 600, TR-Q6 F und Fuji X-T2

Schon lange hatte ich vor, mein Fotoequipment um eine verünftige Blitzanlage zu erweitern. vor kiurzem habe ich Mitarbeiterfotos in meiner Firma https://www.cosmocode.de gemacht, und mich sehr über die gemischten und schwer steuerbaren Lichtquellen und wechselnden Farbtemperaturen geärgert. Nun lockt ein Fotoauftrag, Zeit also Nägel mit Köpfen zu machen.

Recherche und Beschaffung

Ich bin ein Neuling in Sachen Foto-Studio, entsprechend schwer viel mir die Auwahl der Ausrüstung.

  • TTL wäre prima, dann muss man nicht die Blende an der Kamera einstellen. Andrerseits - ich werde die nächste Zeit nur statische Setups haben. Wenn sich die Position des Objekts zu den Lichtquellen nicht ändert, bleibt die Belichtung gleich - egal wie die Kamera positioniert ist. Also kann ich drauf verzichten.
  • Stromversorgung per Akku wäre prima, dann hat man den Kabelsalat nicht und kann das Equipment auch draußen nutzen. Outdoor-Shootings? Werde ich wohl nicht machen, also weg.
  • HSS - High Speed Sync. Meine Fuji unterstützt das - man kann dann auch mit Verschlusszeiten kürzer als 1250 arbeiten. Das ist mir wichtig - denn dann kann man den störenden Einfluss von einfallendem Tageslicht ausbremsen.
  • Wattzahl - ich hab mich für eine 600er entschieden. Ob das sinnvoll ist, wird sich zeigen. Mehr Power obenrum ist prima, aber man hat dann auch mehr Power untenrum; das ist Käse wenn man mit Offenblende arbeiten will, um zB den Hintergrund zu blurren.
  • Masken Erzeugung - das Feature, mit dem man mit einem zweiten Foto nur den Hintergrund anblitzt und somit eine Silhouette erzeugt. Diese lässt sich als Maske in Photoshop nutzen, um den Hintergrund freizustellen. Tja, das wär prima, denn bei den Portraits für meine Firma hab ich immer Grauverläufe und Schatten an der eigentlich weißen Hintergrundwand gehabt.

Meine erste Wahl wäre das Rollei System gewesen, welches agressiv mit Einführungsrabatten wirbt. Recherchen in Fotogruppen bei Facebook haben mit dann gezeigt, dass diese annähernd baugleich mit den Jinbei Systemen sind. Diese gibts beim Versender Foto-Morgen etwas günstiger.

Equipment

Folgendes Equipment ist es dann geworden.

  • 2 x Jinbei MSN iii 600 (HSS, Easy Cap) Blitzköpfe,
  • TR-Q6 F Funkauslöser, der in den Blitzschuh der Kamera kommt. (Das ‘F’ steht für Fuji),
  • 2 Lampenstative 2,5 m Höhe,
  • eine Oktabox, Umbrella (lässt sich wie ein Regenschirm aufpsannen, sehr praktisch,
  • ein kleiner Reflektor mit Diffusortuch und Wabenvorsatz (der richtet das Licht schön spotmäßig).
  • Dazu noch eine Walimex Tasche, um die Blitzköpfe zu transportieren.

Konfiguration

Das Zeug zum Laufen zu bringen hat erstmal Zeit gekostet. Die Blitzköpfe kann man auf Channels und Gruppen konfigurieren. Der Funkauslöser löst alle Blitze eines Channels aus. Man kann zudem mit dem Funkauslöser auch remote die Blitzstärke einstellen - die Blitzköpfe werden dabei über die Gruppen identifiziert.

Also:

  • Alles läuft im Channel 01
  • Der Oktabox-Blitz kommt in die Gruppe A
  • Der Reflektor-Blitz kommt in die Gruppe B

Voila - funktioniert soweit. Die Bedienung ist aber etwas hakelig über die kleinen Tasten des Funkauslösers.

Allerdings klappt die Remotesteuerung nur von Funkauslöser zu Blitz. Wenn man die Stärke am Blitzkopf selber einstellt, wird das wieder vom Wert des Funkauslösers überschrieben. Okay, also nur noch mit dem Funkauslöser arbeiten.

Klappt das nun auch mit der Kamera? Funkauslöser in Blitzschuh stecken, auslösen, nix passiert. Mmh - im Kameramenu kann ich unter Blitzeinstellungen auch nichts auswählen. Kurze Recherche: Der Verschlusstyp muss auf mechanischer Verschluss stehen, sonst gehts nicht. Prima, nun klappt es auch über die Kamera, die ersten Fotos werden auf den Sensor geblitzt.

Die App

Es gibt für iOS und Android eine App, mit der sich der Funkauslöser fernsteuern lässt. Der Vorteil liegt in der verbesserten Menuführung, so lässt sich bspw. die Leistung einfach mit einem Schieberegler verändern. Ich hab die iOS App ausprobiert - und hab sie wieder deinstalliert. Das Benutzerinterface ist komplett auf koreanisch oder chinesisch. Damit bin ich noch irgendwie zurechtgekommen, aber scheinbar ist die (Bluetooth) verbindung zum Funkauslöser grottenlangsam.

Ich hab in der App die Leistung an den beiden Köpfen verändert und danach auf Test (Flash) gedrückt. Passiert nix, also noch mal und nochmal. Nix passiert. Da hab ich die App geschlossen, und kurz danach sind alle Befehle in Rekordzeit nacheinander ausgeführt worden. Die Blitzköpfe haben stroboskopmäßig ihre Testblitze abgefeuert, dass mir Angst und Bange wurde. Nee ne ne - das ist mir zu buggy.

Dunkler Sucher im Manuell Modus

Beim ersten Setup experimentiere ich mit Power-Einstellungen von 2 (Spot) und 4 (Oktabox); nach ein paar Testfotos hab ich Blende 8 als Arbeitsblende gefunden. Das macht leider die Falten im Hintergrundstoff scharf, doch dazu später.

Die ersten Fotos haben alle einen Farbstich, das Tageslicht kommt durch - die Verschlusszeit stand auf Auto. Also auf 1250 gesetzt. Mit der manuellen Blende ist nun die Kamera komplett in Manuell-Modus; das Sucherbild ist zu dunkel um etwas zu erkennen.

Im Menu Einstellungen > Bel-Vorschau/Weissabgleich stelle ich “AUS” ein, nun hab ich eine helle Vorschau.

Setup

Mit dem folgenden Setup hab ich eine klassische Portrait Positionierung nachgebaut. Das wurde im Wohnzimmer ziemlich eng. Wichtig ist bei Blitzköpfen mit viel Power, dass man diese vom Motiv entfernen kann, um die Lichtmenge zu reduzieren und dadurch die Blende weiter öffnen zu können. (Die Lichtmenge nimmt im Quadrat zur Entfernung ab). Allerdings wird die Lichtquelle damit punktförmiger und das Licht härter.

Tethering mit Lightroom, aber ohne LR Plugin

Ich hab die Kamera mit einem 5-Meter USB Kabel mit dem Macbook verbunden. die Fuji-Aquire Software schiebt dann jedes Fotos auf einen konfigurierbaren Ordner; dort holt sich Lightroom mit der Option Datei > automatisch importieren diese ab und zeigt sie direkt an. Das ist sehr cool; das Macbook steht auf meinem alten Manfrotto Stativ mit einer angesetzten Platte, die eigentlich mal für Projektoren gedacht war. Die Übertragung geht theoretisch auch wireless, ist aber schnarchlangsam.

Erste Ergebnisse

Meine Kinder haben sich freiwillig als Opfer hingegeben; meine Tochter hat dann noch ein paar Fotos von mir gemacht. Das Schöne an einer Studioauftellung ist, dass wenn alles eingestellt ist, man nur noch auslösen muss - vorausgesetzt, dass Motiv verändert nicht wesentlich die Position zu den Lichtquellen.