Elberadweg: Wittenberge - Dresden

Eigentlich hatte ich eine Radreise Anfang Juni über die Alpen geplant; eine gesundheitliche Unpässlichkeit machte da leider einen Strich durch. Statt dessen ging es nun die Elbe lang; von Wittenberge bis Magdeburg alleine, ab Magdeburg zusammen mit Freunden bis Dresden.

Anfahrt mit RE2 von Berlin bis Wittenberge

Die Anfahrt geht problemlos mit dem RE2 Cottbus - Wittenberg; ab Spandau braucht man schlappe 75 Minuten.

Über die Elbe und los

Wittenberge - Einstieg in den Elberadweg

Man kann die Elbe über weite Strecken auf beiden Seiten fahren, also linkselbisch oder rechtselbisch (jeweils in Fließrichtung des Flusses gesehen). Ich hab mich entschieden zunächst linkselbisch zu fahren, da ich das rechtselbische Havelberg bereits kenne, und da laut Radkarte der rechtselbische Weg über längere Strecken entlang von Straßen führt. Außerdem liegt mein Tagesziel Tangermünde linkselbisch.

Straßenqualität

Wer gut ausgebaute Fahrradstraßen erwartet irrt sich. Der Weg führt auf und entlang der Deiche über Pflaster- und Plattenwege. Durch die Dörfe gehts häufig über grobes Pflaster. Alles in allem kein Problem für Trekkingränder.

 Sühnekreuze in Berge

Berge, Sühnekreuze

Die Kirche in Berge birgt als Kuriosität zwei Sühnekreuze. Über die konkrete Bedeutung dieser Kreuze konnte ich nichts erfahren; im allgemeinen wurden die Kreuze aufgestellt um sich dadurch von seinen Sünden zu befreien.

Arneburg

Arneburg, Blick auf die Elbe, Aussichtsplattform

Kurz vor Tangermünde durchquert man Arneburg. Es lohnt sich ein Abstecher zur höher gelegenen Burg; dort führt ein Aussichtsplateau mit einer phantastischen Sicht an den Rand der Elbe. Endlich mal die Elbe sehen ;-)

Tangermünde, Etappenziel Tag 1; 77 km

Tangermünde

Tangermünde

Stephanskirche Tangermünde

Tangermünde ist eine Überraschung! Die historische Altstadt besitzt ein sehenswertes Ensemble aus mittelalterlischen Bauten: Rathaus, Eulenturm, Kirche mit historischer Scherer-Orgel. Von der Elbe aus gesehen verleihen die trutzigen Mauern der ganzen Stadt den Charakter einer Burg.

Magdeburg, Etappenziel Tag 2; 79 km

Wasserstraßenkreuz Hohenwarthe

Am zweiten Tag ging es zunächst linkselbisch, dann rechtselbisch weiter. Vor Magdeburg begegnet man dem Wasserstraßenkreuz - eine Flusskreuzung. Unten fließt die Elbe, oben über eine sogenannte Trogbrücke wird der Mittellandkanal geführt, der kurz danach in der Schleuse Hohenwarte mündet.

Mein  Etappenziel war Magdeburg; meine Unterkunft das Roncallihaus hinter der katholischen Kirche San Sebastian. Magdeburg ist lässig; einen historischen Stadtkern gibts auf Grund der starken Kriegsschäden zwar nicht; die Neubauten im Stil des “sozialistischen Klassizismus” und jüngere Neubauten lassen viel Platz und Luft und wirken alles andere als depressiv.

Außerdem durchfließt die Elbe die Stadt über verschiedene Arme und schafft dadurch viele grüne Oasen auf den Elbinseln.

Die Unterkunft im Roncallihaus war prima, nur leider schließt die Rezeption um 19:00 und man kommt in Folge nicht mehr an sein Fahrrad in der Garage ran. Also Stadtbesichtigung zu Fuß.

Weiter zu viert

Ab Magdeburg bin ich dann mit mit  Freunden weitergereist. Rüber übder die Elbsinseln, rechtselbisch schön auf den Deichen radeln.

Walternienburg

Die Burg in Walternienburg hab ich mir leider nicht angesehen; wir machten Rast in einem schönen Cafe (mit Innenhof) und teilten uns auf: zwei fuhren mit dem Rad weiter nach Dessau, die anderen beiden mit der Bahn von Gütersglück nach Dessau. Wir ereichten den Bahnhof Dessau just in dem Moment wo die beiden anderen mit dem Regio einliefen. Perfektes Timing :-)

Groß Kühnau, Etappenziel Tag 3; 91 km

Unsere Übernachtung war die Badeanstat Groß Kühnau, die auch Plätze für Zelte vermitet und drei einfache Bungalows besitzt. Nach den 90 km in den See zu steigen - einfach herrlich!

Das Restaurant “Haus Kühnau” dagegen überraschte uns mit der Mitteilung, dass der Koch es vorziehen würde, anstelle der  Auswahl auf der Karte uns ausschließlich Bauernfrühstück anzubieten. Das nenn ich mal Kundenorientierung! Immerhin konnten wir zu dem Bauernfrühstück auch noch Matjes als Alternative raushandeln. Lecker war es dennoch.

Parkanlagen Dessau Wörlitz bis Wittenberg

Der Radweg führt sehr idyllisch durch Parkanlagen; der Wörlitzer Park selber haben wir nur gestreift (vorgemerkt für einen separaten Besuch!). Bei Coswig schließlich wechseln wir auf die rechtselbsiche Seite. In Coswig im Restaurant “Zur goldenen Weintraube” sehr gut gegessen - Tipp! Weiter gehts bis Wittenberg. Leider keine Zeit für eine Stadtbesichtigung - ebenfalls vorgemerkt für einen separaten Besuch. Der Weg führt uns durch die Altstadt.

Und wieder linkselbisch.

In Wittenberg selber wechseln wir wieder auf die linkselbsiche Seite. Die Google Maps Fahrrad Navi lotst uns allerdings nur zum Fuß der Elbebrücke. Also Gepäck runter; Fahrrad und Gepäck hoch auf die Brücke tragen, oben alles wieder aufschnallen und weiter. Der linkselbsiche Weg ist ab hier  nicht  gut ausgeschildert. Ein Eingeborener macht uns das Angebot, uns durch die Dörfer und Straßen zu geleiten. Wir nehmen gerne an und folgen ihm bis kurz vor Wartenburg.

Pretzsch, Etappenziel Tag 4; 78 km

Pretzsch, Stadtmühle

Pretzsch ist ein merkwürdiges Städtchen. Oder ein Dorf? Ein Flecken mit großer Geschichte und verschlafener Gegenwart. Unsere Herberge diese Nacht ist die Domäne - empfehlenswert! Sogar ein kleiner Pool hilft die geschwollenen Füße zu entspannen.

Zum Abendbrot folgen wir der Empfehlung des Herbergswirtes und begeben uns ins Parkhotel. Der Speisesaal hat die Ausmaßen eine Festsaales. Das Essen vernünftig, die Kellner piefig. Der Nachtisch (Marillenklöße mit Eis) grandios. Neben dem Parkhotel eine kuriose Mühle. Es bleibt die Frage, wie sich das Parkhotel in diesem vergessenen Ort halten kann. Das Parkhotel liegt am Schlosspark, im Schloss befindet sich ein Kinder- und Jugendheim, und seit 2015 auf ein Cafe.

Dommitzsch

Die kurze Etappe bis Torgau hat uns nicht abgehalten, Rast zu machen - hinter Dommitzsch am Fährhaus. Dieses war gut besucht; der Cappucino leider aus der Tüte mit Schlagsahne. Aber mit auskunftsfreudigen Eingeborenen, die uns in Torgau den Besuch des Schlosses sowie “Hern Käthe” nahelegten.

Torgau, Etappenziel Tag 5; 45 km

Torgau, Schloss Hartenfels

Torgau

Torgau war Ende des 2.ten Weltkrieges Begenungsstätte von Russen und Amerikanern, der Soldatenfriedhof  ist voll von Gräbern der Roten Armee.

Das sächsische Schloss Hartenfels beherbergt im Burggraben Bären; der königlich-sächsische Prunk ist eine willkommene Abwechslung fürs Auge. Der Turmaufstieg belohnt mit einer tollen Aussicht auf Stadt und Elbe. Ich erinnerte mich an die Worte des Eingeborenen vor Wartenburg: “Zählen sie vom Turm die kaputten Dächer, das sind höchsten 5%. Vor der Wende waren 95% kaputt”.

“Herr Käthe” ist ein witziges Lokal in Torgau, benannt nach dem Spitznamen von Luthers Ehefrau, einer für für damalige Zeiten wohl sehr emanzipierten Frau. Das Essen selber hatte zwar auch einfallsreiche Namen (“Scharfe Früchtchen”), dem Geschmack fehlte hie und da der Witz. Sitzen tut man schön im Innenhof wie auch in der Stube.

In Torgau sind wir im Brauereihof untergekommen, 70 € fürs Doppelzimmer. Charmanter wäre es in der Pension am Markt gewesen, wenn auch nicht billiger. Das Abendessen im Brauereihof eine volle Ettäuschung. Paniertes Hähnchenschnitzel mit Krokette, ohne Soße. Wie soll man das trockene Zeug runterwürgen? Auf Nachfrage immerhin eine Sahneplörre. Naja. Geschlafen haben wir  gut.

Tour de Sachsen nach Dresden; 108 km

Da a) unser Etappenziel Torgau zu weit weg vom urpsrünglichen Tagessziel lag, und b) zwei der vier Reisenden direkt nach Berlin wollten, rätselten wir wie es mit uns weitergehen sollte.

Noch ca 90 km bis Dresden? Zu zweit mit Tempo geht das vielleicht bis abends 17:00. Expresszüge brauchen zwei Stunden von Dresden nach Berlin, haben aber keine Stellplätze für Fahrräder mehr frei. Regios mit Umsteigen brauchen 4,5 Stunden. Das heißt erst kurz vor Mitternacht in Berlin zu sein.

Wie wird denn das Wetter? Oha: Regenfront quer über Deutschland.

Egal, das schaffen wir. 6:30 aufstehen, 8:00 im Sattel. Und dann: Überraschung! Die ganze Zeit trocken und warm; hinter uns Regen.

Kurz vor Meissen wandelt sich das Landschaftsbild: die Elbe fließt im engen Tal, rechts und links Hügel und Berge. Der Radweg direkt am Fluß, Weinbau und Weinwirtschaften wie in Süddeutschland. Schön!

Mit kräftigem Rückenwind nach Dredsen, dort schon kurz nach 14:00 eingetroffen. Keine 90 km, sondern 108 km.

Mit den Regionalzügen von Dresden nach Berlin

Zurück ging es dann über Cottbus; ab Cottbus wieder mit dem RE2, der mich 6 Tage zuvor schon nach Wittenberge brachte. Um 19:00 Uhr wieder zu Hause. Auspacken, duschen, erzählen.