Blackstar HT-1R Röhre als Übungsverstärker

Ich habe seit ca 4 Jahren einen kleinen Fender Mustang 1 Verstärker, den ich zusammen mit meiner Fender Lone Star HSS gekauft hatte. Nun hab ich den Übungsamp durch den Blackstar HT-1R ersetzt - warum?

Nase voll vom Transistor Sound

Der Mustang ist ein Transistor-Amp, der ein gutes Dutzend von Verstärker/Speaker Kombinationen mitbringt (Verstärker aus dem Hause Fender versteht sich). So finden sich Bassman, Twin reverb, Super Sonic wieder; außerdem kann man Bass, Treble, Gain regeln und hat auch noch digitale Effekte mit an Bord (Delay, Reverb und so weiter). Mein Problem damit ist: Ich hab Tonkontrolle im Amp , und nicht in der Gitarre respektive den Fingern. Es ist eigentlich Wurscht wie ich spiele (Spielstärke, Position am Steg odder Hals und so weiter), es kommt immer der gleiche Brei raus.

Bei meiner aktustischen Gitarre hab ich die Tonkontrolle in den Fingern, und das vermisse ich bei der E-Gitarre. So habe ich mich dann entschlossen, den Transistor durch einen Röhrenamp einzutauschen - in der Hoffnung mehr “analoges” Röhrenfeeling zu bekommen. Die Wahl fiel auf Grund der positiven Rezensionen auf den Blackstar; anspielen konnte ich ihn nicht - es war eine Blindbestellung.

Einstellungsache

Im Gegensatz zu dem Fender Mustang kommt der Blackstar HT-1R spartanisch daher: Volume, Gain, EQ & Reverb. Die EQ-Regelung ist eine Besonderheit von Blackstar, die das ganze unter dem Namen Infinite Shape Feature vertreiben. Man regelt den Klang vom etwas agressiverem, höhenlastigen “American” Sound zu dem eher dunkleren, mittenbetonten “British” Sound. Den Reverb hat übrigens nur der HT-1R, wer darauf verzichten will nimmt den etwas preiswerteren HT-1.

Der Blackstar hat gerade mal 1 Watt - reicht das? Fürs Wohnzimmer - hmm, ja (mehr dazu weiter unten). Man muss dabei wissen, dass die Laustärke nicht linear zu der Wattzahl wächst. Verzehnfacht man die Wattzahl, wird die Lautstärke lediglich verdoppelt.

Der Blackstar hat zwei Modi, die sich über einen kleinen Button wechseln lassen: Clean und Overdrive. Beide laufen allerdings über die gleiche Volume&Gain Regelung. Da der Overdrive lauter ist, muss man beim Wechsel von Overdrive zu Gain und umgekehrt dann Gain und Volume nachregeln.

Im Overdrive hat der kleine Amp den Zerr-Sound. Bei Gain auf 9 und Volume auf 15 hab ich genau den Effekt, den ich mir wünsche: bei leichten Anschlag brummt meine Fender dunkel, bei etwas mehr Attack taucht der Ton an die Oberfläche, die Höhen kommen durch und der Ton wird aggressiver. Das ist genau das, was ich wollte - den Sound durch die Spielweise beeinflussen können. Wenn man Gain und Volume voll aufdreht reicht das dicke um die Nachbarn zu ärgern. Allerdings klingt der Overdrive bei mehr Gain dann doch eher künstlich und nicht röhrig.

Im Clean Kanal sieht das allerdings etwas anders aus. Hier muss man Volume ganz aufdrehen; Gain steht bei mir auf 12, und ich hab einen Clean Sound in zurückgehaltener Wohnzimmer Lautstärke. Wenn man es lauter will muss man den Gain mehr aufdrehen - und bekommt den Zerrsound. Da ist mir doch zu wenig Headroom drin.

Für etwas mehr Wumms gibts auf der Rückseite  noch eine Speaker out Buchse, an der man einen weiteren Speaker anschließen kann. Von Blackstar gibt es eine solche separate Box (Blackstar HT 112, ca 170€). Dieser Lautsprecher hat dann 12” anstelle von dem 8”, der in der HT-1R Combo verbaut ist.

Ein- und Ausgänge

  • Standard Guitar Jack Input
  • MP3 Input - lässt sich nicht in der Lautstärke regeln
  • Emulated Headphone Out - emuliert den Lautsprecher und spielt ihn aus. diese Buchse schaltet den eingebauten Speaker aus
  • Speaker out (Rückseite) - auch diese Buchse schaltet den Speaker aus

Effekte

Der eigebaute (Digital)-Reverb klingt vernünftig - ich würde das Upgrade vom HT-1 zum HT-1R empfehlen, wenn man überhaupt den HT-1R will.

Der Amp hat keine Effektschleife, man kann aber das Signal über den Emulated Headphone out abgreifen, um es in einen Looper zu spielen. Leider kriegt man es nicht zB über den MP3 Input zurück, da ja der Speaker abgeschaltet wird, sobald man was in die Out-Buchesn stöpselt. Das ist blöd! Ich helfe mir, indem ich das Looper-Signal in einen anderen Amp spiele, aber das klingt dann nicht so dolle.

Fazit

Als Übungsamp ist der Blackstar super, als Röhre für 220,-€ ein gutes Angebot. Aber: Mir fehlt  im Clean das Quentchen Lautstärke, das den Nachbarn noch zumutbar ist. Außerdem fehlt mir auch die Effektschleife. Wenn man einige Euro mehr locker machen kann, würde ich eher den Blackstar HT-5 empfehlen - der kostet allerdings dann auch fast das doppelte. Das wäre aber die bessere Wahl, bevor man sich den kleinen HT-1R mit dem separaten Speaker 112 aufmotzt, der alleine auch schon ~170,- € kostet.