Zwei Tage Kopenhagen - lässig und lecker. Die Hauptstadt der Radfahrer.

Im März flatterte easyjet Spam an meine Nase vorbei, den ich aus den Augenwinkeln wahrnahm: Kopenhagen im Mai für ~50€? Gesehen, gebucht. Letztes Wochenende war es dann soweit. Mal raus aus dem Berliner Hamsterrad.

Leider haben  Billigflüge ein paar Haken; so auch hier: Haken #1: Abflug 8:40, Haken#2: Abflug von Schönefeld. Das heißt für uns: um 4 Uhr raus aus den Federn.

Unterkunft: airbnb

Die Unterkunft haben wir uns bei airbnb besorgt. Meine Erfahrungen bei airbnb: Es lohnt sich nicht rechtzeitig zu buchen, wenn die Vermieterin Lise heisst. Und meint, kurz vorher das ganze stornieren zu müssen. Weil sie plötzlich was anderes vorhat, und anderen Gästen den Vorzug gibt. Egal, Lise, wir sind dafür bei Mads und Michael untergekommen. Zwei ausgesprochen nette Kopenhagener, die auf Amager in einem schicken Loft wohnen, von wo man einen prima Blick hat. Liebe Lise, es war billiger und  viel besser bei Mads + Michael. Hoffentlich waren deine anderen Gäste picklige Stänkerer. Ätsch.

Der Vorteil der frühen Anreise war, dass wir nun den ganzen Freitag Zeit hatten, und das prima Wetter (leider aber viel kälter als in Berlin) ausnutzten.

Stärkung bei emerys Bäckerei

Der erste Halt war emerys Bäckerei - eine Bäckereikette, die ökologische Produkte anbietet. Lecker Cafe, Rabarberkuchen, und wer  will kann lässt sich Brötchen schmieren und belegen.

Radverleih

Dem Tipp von Michael (unserem Airbnb’ler) folgend marschierten wir zum Hautbahnhof. Leider waren dort a) kaum Fahrradverleihe b) alle  Bikes verliehen. In Restbeständen vorhanden waren lediglich E-Bikes , die vorne ein Tablet (mit Kartenanwendung) integriert haben. Die sahen uns aber zu sehr nach Treppenlift aus. Machen wir später mal, wenn Kukident unser Leben bestimmt.

Nach ein paar Irrwegen zu Fuß und den Ratschlägen eines Radladens folgend sind wir dann bei Baisikeli Bikes gelandet - an der S-Bahn Dybbølsbro St. nahe unserer Unterkunft, beim Meat Packing District.

Radfahren in Kopenhagen

Wie prima das Radfahren in Kopenhagen ist, findet man spätestens raus wenn man zurück in Berlin auf dem Sattel sitzt. Kopenhagen nimmt die Radler ernst und räumt ihnen einen zentralen Platz im Verkehr ein, anstelle sie an den Rand zu drängen. Für Radler optimierte Verkehrswege und -führungen, kostenlose Mitnahme der Räder in den Bahnen, Rücksicht aller untereinander. Mit dem Rad lässt sich die Innenstadt prima erkunden. Wir hatten die Räder gleich für beide Tage reserviert; ich war mir nicht sicher ob diese - nur mit einem Rahmenschloss gesichert - am nächsten Morgen noch da sein würden - waren sie aber. Berliner Paranoia.

Es wird schnell gefahren in Kopenhagen. Wer weniger als 20 km/h fährt, macht Platz für die flotten Pendler. Es ist viel Fahrradverkehr in Kopenhagen. Wer anhält, hebt vorher die Hand als Signal für  Nachfolgenden. Natürlich gibt man Handzeichen auch beim Abbiegen. Und man hält sich als Radfahrer an Verkehrsregeln. Letzteres mache ich in Berlin auch, seit ich mal 100 € Strafe berappen musste. In Berlin bin ich da aber der einzige und komme mir  blöd vor, wenn alle anderen einfach über rote Ampeln brettern. Nicht so in Kopenhagen. Was  auch was damit zu tun hat, dass die Verkehrsführung in Kopenhagen es Rädern erlaubt, wirklich zügig von A nach B zu kommen. In Berlin steht man als Radler die Hälfte der Zeit an Ampeln.

Kødbyen Meat District, we do food, Cafe Mandela, Bollyfood

Die Suche enach dem Radverleih hatte uns wieder hungrig gemacht; nächste Station war der Meat Packing District, ein ehemaliges Areal von Fleischereien, die nun zweckentfremdet Delis produzieren. Ein potthässliches Gelände, wie es sich für industrielle Fleischverarbeitung gehört. Der Kontrast zu den gebotenen Speisen könnte kaum größer sein. Wir waren gleich mehrmals da; die erste Station war we do food, ein Laden bei dem einen Salate frisch zu bereitet werden, als take away oder zum direkten Verzehr. Meiner hieß natürlich Cosmo Salad und bestand aus  lang gegartem Rindfleisch und anderen extrem leckeren Dingen.

Später holten wir uns einen Capuccino im Cafe Mandela; sehr cool. Wer schwarz trägt, fällt nicht auf.

Am Abend dann Essen im Bollyfood. Lecker, teuer und im Vergleich zu Berliner Indern extrem scharf. Wenig Sitzplätze; wir waren zeitig da und hatten Glück. Tolle Stimmung am Abend; viele Leute beim Schlendern oder Abhängen draußen; bei Temperaturen, wo sich bei uns bestensfalls Raucher unter Heizpilzen ducken.

Copenhagen we do food meat packing-DSCF4298

Christiana, Christianhaven

Mit den Rädern sind wir dann die alten Befestigungsanlagen im Stadtteil Christianshavn lang geradelt; diese liegen direkt am Wasser, sind begrünt und auf Landkarten gut an ihrem Zanhkranz-Look zu erkennen. In allen Nischen des Verteidigungswalls finden sich dort Hütten, die  an See-Datschen der Berliner Umlands erinnern; diese hier sind aber ganzjährig bewohnt. Kreativ, bunt,  ein riesiger Abenteuerspielplatz. Ab und an wird man von Dealern angesprochen; harmlos.

Copenhagen Christiana-DSCF4300

Green bikeway, Superkilen

Auf unserer Besuchliste stand noch der Superkilen, ein roter Platz, von Künstern gestaltet. Auf Google Maps leuchtet er blutrot. Mein Mobile Phone fand eine passende Route dorthin; wie sich herausstellte, auf einem der Bike Superways - für Fahrrad Pendler gemachte Verkehrswege. Der Platz selbst ist sehr weiträumig und zitiert rund 150 Länder der Welt über nachgemachte oder importierte Dinge derselben. Viele Skater; eine Skaterstrecke haben sie als Rampe nahtlos eine Häuserwand hochgezogen. Um die Ecke arabische Läden.

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Lille Mermaid, Zitadelle

Der nächste Tag bescherte uns leider kalten Nieselregen. In Ermangelung von Ideen besuchten wir das “Wahrzeichen” von Kopenhagen, eine kleine Bronzestatue nahe der Zitadelle. Muss man nicht gesehen haben. Die Zitadelle selber kann man auch besichtigen; Just als wir dort waren fand eine feierliche Kranzniederlegung aus Anlass der deutschen Kapitulation statt. Als Deutscher wohnt man dieser mit gemischten Gefühlen bei.

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Bummeln in der Fußgängerzone: Frederiksberggade, Kompagniestræde

Die Fußgängerzone war gut besucht; trotz Nieselregen. Die Bike hätte man stehen lassen sollen; Radfahren geht dort nicht, und Platz zum Schieben hat man eigentlich auch nicht. Ein paar dänische Designläden lugen hier und da aus dem ansonsten mit anderen Einkaufsmeilen vergleichbaren Angebot heraus. Zum Einkaufen ist Dänemark eh zu teuer.

Aber zwei schöne Cafes besuchten wir - gibts eigentlich schlechte in Kopenhagen?

The a la menthe in der Rådhausstræde- ein herrlich buntes kleines Bistro mit kleinem Angebot araischer Speisen: Köfte, Falafel, Salate und natürlich Minztee. Essen war prima, nur die Falaffel, die macht Salsabil in Berlin deutlich besser.

Komp9 in der Kompagniestræde; hier können wir von dem sehr guten Kaffe berichten.

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Paper Island - Paperøn

Am Abend dann noch ein Highlight. Der Regen verzog sich, die Bikes mussten abgegeben werden; wir trödelten von unserer Unterkunft Islands Brygge Richtung Christianshavn. Den Pfaden ausgehfreudiger Menschen folgend fanden wir dann noch Papirøen - die Papierinsel. Eine ehemalige Papierfabrik, die nun Partylocation ist. Wummernde Bässe aus fetten Boxen; Liegestühle an der Kaimauer mit Blick auf Kopenhagen, leckere Delis in den Hallen des Gebäudes. Sundowner, tolle Stimmung, ein schöner Abschiedsabend.

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Abschied ohne Sorgen

Sonntag früh gings zurück. Abschied von Mads und Michael, zu Fuß zum Bahnhof. Schließlich noch von Mads atemlos eingeholt, der uns das Sorgenpüppchen brachte, welches unsere Tochter uns als Reisebegleitung mitgab und wir Rabeneltern in der Unterkunft vergaßen.

Dank dem Sorgenfresser ging auch alles beim Rückflug glatt. Sogar unser Auto stand noch am Schönefelder Parkplatz,  alle Scheiben drin, alle Räder dran.